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In Memoriam

(Quelle: http://www.geschichtskultur-ruhr.de/)


Die politische Karikatur im II. Weltkrieg

Satire, Karikatur und der Zweite Weltkrieg - dieser Kontext kann widerstreitende Emotionen hervorrufen. Einerseits Scherz, Lachen und andererseits ein Drama, das tragische Schicksal von Einzelpersonen und ganzer Nationen. Es ist schwer eine Verbindung dazwischen zu klären, wenigstens die Berührungspunkte zu finden, wo sich diese zwei Themen verflechten.

Eine Generation, die das Grauen des Krieges erlebt, deren Menschenrechte verletzt werden, die planmäßig vernichtet werden soll und keine Chance auf eine offene Auseinandersetzung hat, bildet wie ein erkrankter Organismus Antikörper – Schutzmechanismen, wie Humor, Spott, Ironie.

Das verlachte Grauen verliert seine Kraft, verspottete Einschränkungen werden nicht so intensiv empfunden, die Häscher in der Karikatur werden grotesk. Die Allmacht des Feindes wird dadurch nicht geschwächt – es geht hier eher um den Sieg im psychologischen Kampf, um die Bestätigung der individuellen Existenzberechtigung, um die Erhaltung der Menschenwürde.

Eine besondere Bedeutung dieser Form des Widerstandes und der Resistenz hatte diese Kampfweise im von Deutschland besetzten Polen. In geheimen Druckereien wurden politische Flugzettel, Zeitschriften, Broschüren, Plakate mit satirischem Inhalt und Karikaturen gedruckt. In unseren heutigen Zeiten weiß man nicht, was die größere Bewunderung verdient: der technologische Einfallsreichtum, der das Erscheinen der "Drucksachen" überhaupt möglich machte oder der beispiellose Mut der Drucker und Verteiler, denn die Nationalsozialisten stellten solche Aktionen unter hohe Strafen bis hin zur Todesstrafe.

Die umlaufenden Flugblätter, mündlich verbreiteten Witze und Anekdoten verspotteten den Feind, stellten konformes Verhalten gegenüber den Okkupanten bloß und kommentierten das aktuelle Tagesgeschehen. Satirische Zeichnungen wurden auch in den Teilen der polnischen Armee, welche nach Großbritannien und andere Länder fliehen konnte, populär. Die satirische Aussage der Zeichnungen sollte den Mut der Soldaten stärken und überhaupt aufzeigen, dass die polnische Armee noch existierte.

Die Karikaturen, Sittenzeichnungen und Porträts erschienen auch in Offiziersgefangenenlagern, Straflagern und KZ-Lagern. Trotz Isolierung vom normalen Leben und unter unvergleichbarer psychischen und physischen Gewalt: auch hier verspotteten Künstler die Unterdrücker. Die tragischen Vorfälle wurden oft mit einer großen Dosis schwarzen Humors dargestellt, denn es war die einzige Möglichkeit der Kritik und des Widerspruches.

Die polnischen Karikaturisten haben mit Hilfe ihrer Kunst die ungeschönte Wahrheit über den Krieg und die Kriegsverbrechen dargestellt und somit ihr eigenes Urteil über den Nationalsozialismus gesprochen.


Hans-Wilhelm Borisch, M.A.



Ausstellung im Deutsche Polen-Institut 2005

Satire, Karikatur und der Zweite Weltkrieg - dieser Kontext kann widerstreitende Emotionen hervorrufen. Einerseits Scherz, Lachen und andererseits ein Drama, das tragische Schicksal von Einzelpersonen und ganzen Nationen. Eine besondere Bedeutung hatte die Karikatur als Form des Widerstands im von Nazi-Deutschland besetzten Polen, wo sie in der Untergrundpresse, aber auch in Offiziersgefangenen-, Straf- und KZ-Lagern erschien bzw. weitergereicht wurde.

Vor wenigen Jahren wurden in Deutschland kolorierte Karikaturen zu NS-Größen (Hitler, Goebbels, Göring u.a.) und zum Lageralltag aus der Hand des polnischen Karikaturisten und Widerstandskämpfers Stanisław Toegel aufgefunden, die noch auf ihre "Entdeckung" warten. Das Deutsche Polen-Institut stellt die Karikaturen (als Leihgabe von Regina Zienczyk) aus Anlass des 60. Jahrestags der Beendigung des Zweiten Weltkriegs vom 29. April bis 31. Mai 2005 aus.

http://www.deutsches-polen-institut.de/publikationen/einzelveroeffentlichungen/hitleriada-furiosa-hitleriada-macabra/

http://www.genios.de/presse-archiv/artikel/RMO/20050429/karikatur-als-form-des-widerstands-/FAB20050429186811.html


Links und Quellen
In der Literatur:
Abbildungen in: Carsten Dutt (Hg.) Die Schuldfrage Untersuchungen zur geistigen Situation der Nachkriegszeit Broschur, 248 Seiten mit zahlreichen Abbildungen

Stadtarchiv Göttingen, Cordula Tollmien, Projekt NS-Zwangsarbeiter

http://www.zwangsarbeit-in-goettingen.de/index.htm

In Göttingen enstanden bereits Karikaturen:

http://www.zwangsarbeit-in-goettingen.de/texte/toegel.htm


Socialmovementstudy
http://www.socialmovementstudy.net/gallery/toegel/

http://www.holocaust-trc.org/poles.htm

http://www.chgs.umn.edu/museum/responses/toegel/bio.html

http://www.ushmm.org/m/pdfs/2000926-Poles.pdf

http://www.oac.cdlib.org/findaid/ark:/13030/kt0k4032b7/admin/

http://www.holocaustforgotten.com/poland.htm

http://judaica.jewishmuseum.org.pl/node/6080

Hitleriada Furiosa - Hitleriada Macabra
Karikaturenzyklen von Stanislaw Toegel
Begleitheft zur Ausstellung 2005

Verlag Deutsches Polen-Institut, Erscheinungsdatum 2005

http://www.deutsches-polen-institut.de/publikationen/einzelveroeffentlichungen/hitleriada-furiosa-hitleriada-macabra/